Mehr als eine Schule

Neu-Isenburger Arzt gründet Hilfsprojekt im ländlichen Brasilien / Vereinsgründung geplant

 

Am Anfang stand der Zufall. Im Jahr 2005, während eines Aufenthalts in Poco Branco, einer 13 000 Einwohner zählenden Kleinstadt im Nord- osten von Brasilien, wurde der Neu-Isenburger Arzt Frank Freytag gerufen, um einem asthmakranken Kind zu helfen. Freytag nahm sich des Falles an und veranlasste gleich noch eine Reihenuntersuchung der anderen Kinder in der Schule. Auch das Gefängnis suchte der Mediziner auf, „weil dort jemand hustete“. Wie sich herausstellte, litt der Gefangene an Lungenentzündung.

 

Die Region sei das Armenhaus von Brasilien, sagte der 46 Jahre alte Internist und Pneumologe, der seit 2002 mit einer eigenen Praxis im Facharztzentrum Neu- Isenburg tätig ist. 80 Prozent der brasilianischen Landbevölkerung lebten in Armut. Ihre Haupteinnahmequelle sei die Landwirtschaft; ein hoher Anteil arbeite als Tagelöhner. Viele Menschen verfügten weder über fließendes Wasser noch einen Herd; in den kleinen Häuschen lebten mehrere Personen meist in nur einem Zimmer.

 

Humanitäre Ideen in konkrete Projekte umzusetzen, dies sei ein „verbindliches Privileg meiner ärztlichen Ausbildung“, sagt Freytag. Der Mediziner, dessen Frau Brasilianerin ist und aus Poco Branco stammt, begann, eine Capoeira-Gruppe zu fördern.

 

Diese Kampftanzkunst mit ihrer Mi- schung aus Kampfsport, Akrobatik, Tanz, Folklore, Musik, Theater und Philosophie sei ein traditioneller Bestandteil der braslianischen Kultur und verbinde Tradition mit Moderne. Capoeira fördere Körper- kontrolle, Teamfähigkeit, Konzentration und Verantwortung. In einem Haus, das Schüler und Lehrer zum größten Teil in Eigenleistung umgebaut hatten, wurde am 1. Januar eine Capoeira-Schule eröff- net. 70 Schüler seien inzwischen beim „Projeto Capodanca“ eingetragen, berich- tet Freytag. Die Jüngsten seien vier oder fünf Jahre alt, die Ältesten 20 oder 21 Jahre, sie arbeiteten ohne Honorar als Leh- rer mit. Damit werde es möglich, Kinder und Jugendliche medizinisch und sozial zu betreuen: Das Haus sei „zentraler Anlaufpunkt“ geworden. Freytag bezeichnete die Kinder dort als „meine große zweite Familie“.

 

Finanziert hat der Arzt die bisherigen Aktivitäten allein aus eigener Tasche. Er fahre ein altes Auto und habe sein Geld lieber in die Schule investiert; „das macht mich jeden Tag glücklich“. Mitarbeiter erhielten den Mindestlohn von etwa 180 Euro im Monat und seien damit sozial- und krankenversichert. Freytag möch- te die Schule demnächst noch mit einem Internetzugang ausstatten. Als Querein- steiger sollen die Jugendlichen lernen, In- ternetseiten zu gestalten – eine Fähigkeit, mit der sie später ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Für dieses Jahr hat Freytag vier Reisen nach Brasilien vorgesehen. Auch seine Frau, die Grundschullehrerin ist und sich mit Tanzpädagogik beschäftigt hat, habe an ihrem Geburtsort etwas machen wollen. Anfang des Jahres wurde in Poco Branco ein gemeinnütziger Verein – „As- soziatio humanitaria Dr. med Frank Freytag“ – gegründet; er soll dazu beitragen, das Projekt weiterzuentwickeln. Es soll künftig aus Spenden, Zuschüssen und Fördermitteln finanziert werden. Auch in Neu-Isenburg will Freytag einen Förderverein gründen, Mitstreiter werden noch gesucht. Den Verlauf des Projekts „Capodanca“ hat Freytag auf zahlreichen Fotos festgehalten, die bei re- gionalen und überregionalen Ausstellungen gezeigt werden sollen. Außerdem arbeitet er an einem Buchprojekt mit Aufnahmen, die in Brasilien entstanden sind.

 

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